Lesung im Kloster: „Das Eisenbahnunglück“ von Thomas Mann

„Etwas erzählen? Aber ich weiß nichts. Gut, also ich werde etwas erzählen…“

Mit diesen selbstironischen Worten hebt der Ich-Erzähler an, die Begebenheit eines Eisenbahnunglücks zu schildern, das dem Verfasser, Thomas Mann im Jahre 1906 tatsächlich widerfahren war. Die kleine Novelle, 1909 erstmals erschienen, erzählt von einer Reise mit dem Nachtzug von München nach Dresden, die „nicht weit hinter Regensburg“ unsanft unterbrochen wurde. Ein harmloses Unglück ist es, „keine allgemeine Ziehharmonika“, wie der Erzähler versichert. Und dennoch löst dieser Zusammenstoß eine kleine Revolution unter den Fahrgästen aus. Die wilhelminisch-wohlgeordnete Klassengesellschaft – hier übertragen auf die Klassen der Zugabteile – wird auf den Kopf gestellt, niemandem nützt es, sich aufzulehnen gegen den nun herrschenden „Kommunismus“…