Biografie

Sven Hinz (*1979 in Bad Arolsen, Nordhessen) ist Komponist und Sprachwissenschaftler. Im Zentrum seiner Arbeit steht die Beziehung zwischen Musik und Sprache: die Musik der Sprache ebenso wie die Sprache in der Musik. Seine kompositorischen, musikwissenschaftlichen und phonetischen Interessen verbinden sich in einer Auseinandersetzung mit den klanglichen, strukturellen und expressiven Möglichkeiten der menschlichen Stimme.

Hinz studierte Schulmusik an der Hochschule für Musik Freiburg sowie Musikwissenschaft, Allgemeine Sprachwissenschaft und Phonetik und Germanistik an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. 2012 schloss er sein Studium mit dem Magister Artium ab. Von 2006 bis 2012 war er am Projekt conTimbre – Das virtuelle Orchester für Neue Musik beteiligt, einer vom Freiburger Komponisten Thomas Hummel initiierten Klangdatenbank. 2007 erhielt er von Karlheinz Stockhausen den Hazel-Clark-Preis für eine musikwissenschaftliche Arbeit über KLANG – Die 24 Stunden des Tages (3. Stunde). Von 2011 bis 2017 leitete er den von ihm gegründeten Freiburger Oberton- und Experimentalchor. Für den Bayerischen Rundfunk verfasste und sprach er zwischen 2008 und 2016 Sendungen für BR-Klassik.

Sein kompositorisches Schaffen umfasst genau einhundert Werke unterschiedlicher Gattungen: vier Musicals, ein Passionsoratorium, drei Messen, eine Kantate für die Stadt Bern, Liederzyklen für Sopran und Orchester sowie Chor-, Orgel- und elektronische Musik. Mit den Calendar Pieces (op. 100), einer Sammlung von 365 kurzen Klavierstücken für das Jahr 2026, erreicht sein Werk einen besonderen Meilenstein. Seine Partituren erscheinen seit 2019 im Klangsignal-Verlag, den er im selben Jahr gründete.

Ein Schwerpunkt seiner aktuellen Arbeit ist die Entwicklung neuer Möglichkeiten synthetischer Vokalmusik. Gemeinsam mit dem Informatiker Stefan Westerfeld entwickelt Hinz den VOCALIZER, einen Gesangssynthesizer, der Partituren mit Liedtext möglichst originalgetreu wiedergeben und zugleich die Grenzen menschlicher Stimmgebung überschreiten soll. Das noch in Entwicklung befindliche Projekt folgt der Vision eines transhumanen Chores, in dem musikalische Notation, sprachliche Artikulation und synthetisch erzeugte Stimme neue Verbindungen eingehen.

Neben seiner kompositorischen Tätigkeit arbeitet Hinz seit vielen Jahren als Dozent für Phonetik, Linguistik und Deutsch als Fremdsprache. Von 2010 bis 2024 lehrte er Phonetik an der Medizinischen Akademie IB Freiburg; später unterrichtete er unter anderem an der Medizinischen Akademie Ulm, der EASW Freiburg, der Volkshochschule Waldkirch, dem Goethe-Institut Freiburg und dem IOR Lörrach. 2022 veröffentlichte er das Lehrwerk Grundkurs Linguistik. Von 2016 bis 2023 war er außerdem als Lektor und Hörbuchsprecher für den Schweizer AbisZett-Verlag tätig.

Sven Hinz lebt und arbeitet als Grenzgänger in Freiburg im Breisgau und Basel.